„Willkommen zurück, Commander“. Da ist er, dieser Gänsehaut-Moment, von dem ich nicht gedacht hätte, dass er schon wenige Sekunden nach dem Start der Command & Conquer Remastered Collection einsetzen würde. Dieser eine Satz in Verbindung mit einer altbekannten weiblich-elektronischen Stimme und schwupps bin ich wieder zehn Jahre alt, sitze am PC eines Freundes und spiele das erste Echtzeitstrategiespiel in meinem Leben. Dieser Moment läutete zumindest für mich eine ziemlich tiefe Beziehung zur Command & Conquer-Reihe und dem Genre der Echtzeitstrategie ein, die bis zum eher unrühmlichen Niedergang der Serie anhielt. Heute, 15 Jahre später, überkommen mich daher wohlige Nostalgie-Gefühle an vergangene Zeiten. Wieso das zum einen schön ist, gleichzeitig aber auch das zentrale Problem des Remasters von Command & Conquer darstellt, will ich in diesem Tellerrand-Test näher erläutern.

Die Fakten: Was zum Geier ist eigentlich Command & Conquer?!

Da wir uns hier in der Kategorie Tellerrand befinden, dürften die meisten von euch eins und eins zusammengezählt und bereits festgestellt haben: Wir sprechen hier von keinem Titel, der auf der Nintendo Switch veröffentlicht wurde, sondern nur auf dem PC erlebt werden kann. Im Allgemeinen hat die gesamte Command & Conquer-Reihe keine großartigen Berührungspunkte mit irgendwelchen Konsolen von Nintendo. Die einzige Ausnahme stellt die Nintendo 64-Portierung des ersten Teils dar, über die wir jedoch den Mantel des Schweigens breiten. Doch worum handelt es sich bei dem Spiel nun genau?

So sah der Pionier der Echtzeitstrategie aus: Willkommen bei Dune II © Internet Archive

Bevor wir diese Frage klären, unternehmen wir zuerst eine kurze Reise in die Vergangenheit der PC-Spiele, und zwar ins Jahr 1992. Denn zu dieser Zeit veröffentlichte ein Entwickler namens Westwood Studios ein Strategiespiel auf Vorlage der Dune-Romane von Frank Herbert. Dune II, so der Name des Spiels, brach damals mit vielen Konventionen, die man aus damaligen Strategiespielen kennt. Denn anstatt die Spielzüge rundenweise abzuhalten und dem Spieler so deutlich mehr Zeit zu geben, über seine nächsten Schritte nachzudenken, findet das Geschehen quasi 1:1 in Echtzeit statt. Das und einige weitere Spielmechaniken, wie der Fokus auf den Basenbau, sorgen dafür, dass Dune II heute als der Pionier der Echtzeitstrategie gilt. Der Titel begeisterte Fans und Fachpresse und führte unter anderem auch dazu, dass eine damals noch recht kleine Firma namens Blizzard Entertainment 1994 ebenfalls ein Spiel auf den Markt bringt, das später zu einem weltbekannten Franchise heranwachsen wird: Warcraft: Orc & Humans. Ein Jahr später legten die Westwood Studios nach, und zwar nicht mit einem Nachfolger zu Dune, sondern mit besagtem Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt.

Die Command & Conquer Remastered Collection beinhaltet die beiden Erstlingswerke der Reihe: Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt sowie Command & Conquer: Alarmstufe Rot 2, inklusive aller erschienenen Missions-CDs, geheimen Missionen und, als kleines Sahnehäubchen obendrauf, allen Mission-Packs, die damals exklusiv auf den verschiedenen Konsolen erschienen sind. Im Kern spielen sich die beiden Spiele stets gleich: Ihr erhaltet ein spezifisches Missionsziel und müsst in den meisten Fällen auf einer Karte eine Basis errichten, in der ihr Einheiten, unterteilt in Infanterie, Fahrzeuge und Flugeinheiten, und Gebäude herstellen könnt. Um all dies finanzieren zu können, liegt auf der Karte verstreut eine spezielle Ressource, die ihr mithilfe eines Ernters einsammeln und anschließend in einer Raffinerie in Geld umwandeln müsst. Neben dem Errichten einer schlagkräftigen Armee müsst ihr nebenbei das Schlachtfeld erkunden, das von einem sogenannten Kriegsnebel (engl. Fog of War) verdeckt ist, der sich erst lichtet, sobald eine eurer Einheiten an die entsprechende Stelle kommandiert wird. All dies versucht euer Gegner ebenfalls, und früher oder später kommt es zu einem Aufeinandertreffen mehrerer feindlicher Einheiten, die sich gegenseitig an die Gurgel gehen. All dies spielt sich, wie bereits beschrieben, in Echtzeit ab, das heißt, ihr müsst dabei stets das Schlachtfeld im Auge behalten, schnell genug auf unvorhergesehene Manöver eures Gegners reagieren und euch selbst eine Strategie überlegen, wie ihr die feindliche Basis knacken könnt. Sowohl in Der Tiberiumkonflikt als auch in Alarmstufe Rot wählt ihr zwischen zwei verschiedenen Fraktionen, die sich in ihren Einheiten, Gebäuden und teilweise auch in der Spielweise deutlich voneinander unterscheiden. Im Folgenden gehe ich näher auf die beiden Titel ein und stelle euch deren Besonderheiten vor.

Command & Conquer: Der Tiberiumkonflikt

Nach Dune II wollte man sich bei den Westwood Studios an einem Spiel versuchen, das in einer Welt spielt, die deutlich mehr an unsere Gegenwart angelehnt ist. Im ersten Teil der Serie ist die allgemeine Weltlage allerdings trotzdem eine andere, denn das Machtgefüge wurde durch den Einschlag eines Meteoriten im italienischen Tiber gehörig durcheinandergebracht. Der Felsbrocken aus dem All trug nämlich eine Art Pflanze mit sich, die dem Boden alle Nährstoffe und Mineralien entzieht und diese in kristallförmigen Auswüchsen speichert. Die Wissenschaftler geben ihr den Namen Tiberium, benannt nach ihrem Fundort. Plötzlich entbrennen weltweite Konflikte rund um das neue und unbekannte Mineral und aus diesen Streitigkeiten bilden sich zwei nennenswerte Machtblöcke: die Globale Defensivinitiative, kurz GDI, sowie die terroristische Bruderschaft von Nod, geführt von dem charismatischen Kane. Zu Beginn werdet ihr als Spieler vor die Wahl gestellt, welcher der beiden Fraktionen ihr euch anschließen wollt. Fortan ist euer erklärtes Ziel, die Gegenseite zu bezwingen, wobei die GDI ganz klar als die Guten und Nod als die Bösen dargestellt werden.

Die Bruderschaft von Nod wird vom charismatischen Kane angeführt. © Electronic Arts

Die Wahl für eine der jeweiligen Fraktionen kommt mit einigen spielerischen Unterschieden daher. Denn auch wenn das bereits beschriebene Grundprinzip stets dasselbe ist, haben beide Seiten unterschiedliche Herangehensweisen an den Kampf. Während die GDI vor allem mit schweren Panzern und der einzigen Flugeinheit im Spiel, den Orca-Kampfhubschraubern, daherkommt, greift Nod zu eher hinterlistigen Methoden und schickt schnelle und mobile Einheiten ins Spiel, die sich eher für Hit & Run-Taktiken eignen. Das macht die Bruderschaft auch zur spielerisch etwas anspruchsvolleren Fraktion, was jedoch mitunter auch der künstlichen Intelligenz geschuldet ist, doch dazu später mehr. Was die Command & Conquer-Spiele damals bereits ausgezeichnet hat, waren die Mission-Briefings. Denn diese wurden nicht nur in schnöden Animationen dargestellt, sondern mit echten Schauspielern vor einem Greenscreen aufgenommen – für die damalige Zeit eine absolute Sensation. Heute wirken die Videos allerdings ungewollt komisch und strahlen einen ziemlich trashigen Charme aus. Electronic Arts hat es sich jedoch nicht nehmen lassen und die alten Videos deutlich aufpoliert, sodass zumindest die Schauspieler in neuem Glanz erstrahlen, die Hintergründe sind jedoch weiterhin ziemlich verpixelt und unscharf – alles kann die heutige Technik dann wohl doch nicht ausbügeln. Nach jeder gewonnenen, oder mitunter auch verlorenen, Mission erhaltet ihr zudem eine animierte Sequenz, die sich mal mehr, mal weniger auf die jeweilige Mission bezieht. Auch diese Sequenzen wurden aufpoliert, was sie leider trotz allem zu keinem Augenschmaus mehr macht, denn während die Szenen mit den Schauspielern noch halbwegs gut gealtert sind, ist es die Animationskunst aus dem Jahre 1995 definitiv nicht.

Die einzelnen Missionen laufen oft nach einem identischen Schema ab: Ihr landet mit eurem Mobilen Baufahrzeug (MBF) auf der Karte, zieht eine Basis hoch, trainiert eine schlagkräftige Armee und erledigt alle gegnerischen Streitkräfte. Gelegentlich wird das doch etwas monotone Missionsdesign aufgelockert, indem ihr euch mit einer einzelnen Kommando-Einheit durch feindliches Gebiet schlagen oder mit einer begrenzten Anzahl an Einheiten einen Gegenstand bergen oder bestimmte Verteidigungsstellungen zerstören müsst. Dem ersten Teil der Command & Conquer-Reihe merkt man noch deutlich an, wie simpel die damaligen Missions-Strukturen waren, und selbiges gilt auch für die taktische Tiefe, mit der ihr euer Missionsziel erreichen könnt. Denn in den meisten Fällen könnt ihr die gegnerische Basis mit dem guten alten „Masse statt Klasse“- oder dem Tankrush-Prinzip besiegen, also indem ihr einfach eine große Menge an Panzern oder auch nur ein Meer an einfacher Infanterie auf euren Feind hetzt. Trotz allem ist der Schwierigkeitsgrad der einzelnen Missionen ordentlich knackig, denn der Computer spielt nach einem ähnlichen Prinzip und hetzt euch in regelmäßigen Abständen immer wieder größere Feindverbände auf den Hals. Das kann dann vor allem nach einem verpatzten Angriff auf die gegnerische Basis gut und gerne das eigene Todesurteil bedeuten.

In manchen Missionen müsst ihr euch mit wenigen Truppen gegen eine Übermacht stellen. © Electronic Arts

Die für die Portierung verantwortlichen Entwickler Petroglyph Games sowie die Lemonsky Studios haben es sich zum Ziel gemacht, Command & Conquer möglichst nahe an seinem Urzustand zu lassen. Auf die genauen Änderungen und Modernisierungen gegenüber den Originalen werde ich am Ende noch eingehen. Was jedoch definitiv nicht geändert wurde, ist die künstliche Intelligenz, deren Blödheit in den legendären Tiberium-Sammlern gipfelt. Für all diejenigen, die früher nicht das Vergnügen mit den selbstmordgefährdeten Erntern hatten, sei die Problematik kurz näher erläutert: Sobald ihr eine Tiberium-Raffinerie gebaut habt, fährt ein Sammler auf das nächstgelegene Tiberium-Feld und erntet die wertvolle Ressource, die für einen stetigen Geldzuwachs sorgt. Ist eines der meist eher kleinen Felder abgeerntet, sucht der Sammler sofort das nächstbeste und fährt auf direkten Wege dorthin – und dabei ist den verdammten Maschinen vollkommen egal, ob auf dem Weg mehrere feindliche Einheiten oder gar eine gegnerische Basis liegen, es wird stoisch zum Ziel gefahren. Dieses Beispiel ist federführend für die gesamte KI und ihre Wegfindung, denn damals wie heute werdet ihr viel Zeit damit verbringen, auf eure Einheiten zu achten und sicherzustellen, dass sie auch in einem Pulk zum Ziel fahren und sich auf dem Weg dorthin nicht unnötig aufteilen und so nach und nach vom Gegner aufgerieben werden. Der Computergegner verhält sich übrigens ebenso strunzdumm und lässt sich mitunter recht einfach überlisten, denn wer den gegnerischen Tiberium-Ernter mit nur einer einzelnen Einheit anschießt, sorgt dafür, dass der Computer all seine Einheiten sofort zur Verteidigung des Sammlers schickt. Wohl dem, der dann eine Streitkraft im Hinterhalt lauern hat und die feindliche Basis überrennt.

Neben dem Hauptspiel beinhaltet das Spiel, wie bereits beschrieben, das Mission-Pack Ausnahmezustand sowie zehn Einsätze, die es nur in der PlayStation- und Nintendo 64-Version des Spiels gab. Und als kleinen Bonus gibt es noch die damals versteckten Dino-Missionen, in denen ihr euch gegen die urzeitlichen Reptilien behaupten müsst.

Command & Conquer: Alarmstufe Rot

Alarmstufe Rot war ursprünglich als zweites Erweiterungspack für den Tiberiumkonflikt geplant, nahm dann aber ganz andere Ausmaße an und entwickelte sich zum Nachfolger des gefeierten Echtzeitstrategiespiels. Dabei merkt man dem Titel allerdings an, dass es ursprünglich nicht mehr als eine Erweiterung werden sollte, denn es gibt mehrere Einheiten, die recycled und nur mit neuen Namen versehen wurden.

Hier greifen wir mit einem alliierten Kampfverband die feindliche Basis an. © Electronic Arts

Alarmstufe Rot spielt mit einer gänzlich anderen Prämisse als sein Vorgänger. Anstatt mit einer dystopischen Zukunft, in der um Tiberium gekämpft wird, beschäftigt sich Alarmstufe Rot mit der Frage: Was wäre, wenn Hitler niemals die Macht ergriffen hätte? Dieser Frage geht auch Albert Einstein nach, der eine Zeitmaschine, die sogenannte Chronosphäre, entwickelt und in die Vergangenheit reist, um Hitler auszulöschen und so den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. Der Plan geht jedoch nicht so richtig auf, denn ohne ein starkes Deutsches Reich gibt es nun für die erstarkende Sowjetunion unter Stalin keinen Halt mehr und die Russen schicken sich an, erst Europa, dann die gesamte Welt zu erobern. Dem stellen sich die Alliierten entgegen, die zu Beginn der Handlung deutlich Probleme haben und immer weiter zurückgedrängt werden. Euch als Spieler stehen sowohl die Alliierten als auch die Sowjetunion als Fraktion zur Wahl. Während sich im Tiberiumkonflikt die einzelnen Parteien in ihrer Spielweise noch teils enorm voneinander unterschieden haben, ist die Kluft zwischen den Fraktionen in Alarmstufe Rot nicht ganz so groß. Während die Sowjets vor allem auf geballte Macht und schweres Kampfgerät setzen, kommen die Alliierten mit einer recht großen Bandbreite an Einheiten und technischen Spielereien daher. Beide Seiten verfügen nun auch über Flugeinheiten und, als eine der gelungenen Neuerungen, über ein Arsenal an Marine-Einheiten. Während die Alliierten hier mit Kanonenbooten, Kreuzern und Schlachtschiffen das Geschehen aufmischen, greifen die Russen mit U-Booten an, die erst bei Beschuss sichtbar werden.

Auch in Sachen Missionsdesign hat der Nachfolger eine Schippe drauf gesetzt. So gibt es zwar immer noch mehr als genug Missionen à la „Zerstöre die gegnerische Basis“, es wurde jedoch darauf geachtet, dass mehr Vielfalt Einzug ins Spiel erhält. So gibt es immer wieder Missionen, die im Inneren von Gebäuden spielen und in denen ihr mit einem kleinen Stoßtrupp eure Umgebung geschickt nutzen müsst, um an euer Ziel zu kommen. Oder ihr müsst auf russischer Seite einen Spion ausfindig machen und eliminieren, indem ihr Kampfhunde auf seine Fährte ansetzt. Wie auch schon beim Erstling werden die einzelnen Missionen durch ein Briefing mit echten Schauspielern näher erläutert. Seltsamerweise sind die Optimierungsarbeiten hier nicht ganz so gut gelungen, die einzelnen Videos flimmern immer wieder leicht und wirken auch deutlich pixeliger. Dafür haben sie aber auch nichts an ihrem Trash-Faktor verloren, der in späteren Teilen der Alarmstufe Rot-Reihe noch ganz bewusst auf die Spitze getrieben werden wird.

Der Luftkampf gewinnt in Alarmstufe Rot deutlich an Bedeutung. © Electronic Arts

Man merkt Alarmstufe Rot an, dass es nur ein Jahr später auf den Markt gekommen ist. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich wenig geändert, auch nicht die KI der Einheiten. Die Wegfindung der Sammler, die nun Erz statt Tiberium ernten, gleicht immer noch der eines suizidalen Lemmings und es passierte nicht selten, dass schnelle Einheiten in einem Kampfverband ohne Gnade in die Gegnermenge voraus gerast sind, ohne auf den Rest der Truppe zu warten. Der Computergegner hingegen hat leicht zugelegt und agiert nun etwas nachvollziehbarer. Zudem tut euch die feindliche KI einen Gefallen, indem sie ab einem bestimmten Zerstörungsgrad innerhalb ihrer Basis alle Gebäude verkauft und alle noch verfügbaren Einheiten zu einer Art „Showdown“ in Richtung eurer Basis lenkt. Das ist vor allem deswegen ein Segen, weil manche Missionen erst dann vorbei sind, wenn ihr die allerletzte Infanterie erledigt habt, was mitunter zu einer ermüdenden Sucherei ausarten kann.

Dass der Titel zur damaligen Zeit gut angekommen sein muss, merkt man auch daran, dass es zwei neue Erweiterungspacks gab, die dem Spiel nicht nur neue Missionen, sondern auch gänzlich neue Einheiten hinzugefügt haben. So können die Alliierten zum Beispiel den Chronopanzer ins Feld schicken, der sich durch die Gegend teleportieren und Raketen abfeuern kann, während die Sowjets mit dem Tesla-Panzer eine Einheit auf ihre Feinde loslassen, die gegnerische Einheiten und Gebäude mit Blitzen röstet. Zudem gibt es auch hier die versteckten Missionen, in denen ihr euch gegen Riesenameisen behaupten müsst.

Wie viel Remaster steckt im Remaster?

Command & Conquer Remastered Collection steht vor dem gleichen Problem, das jedes Remaster hat: Wie nah soll man am Original bleiben? Welche Komfortfunktionen, die heute Standard sind, soll man hinzufügen? Macht es Sinn, etwas an den Missionen oder grundlegenden Spielmechaniken zu ändern? Ganz gleich, wen man fragt, die Antworten auf solche Fragen dürften bei jedem Fan anders ausfallen, und so haben sich die Entwickler für einen, meiner Meinung nach gesunden, Mittelweg entschieden. Ich habe es ja bereits gesagt, es wurde nichts an den grundlegenden Spielmechaniken geändert; Command & Conquer Remastered Collection bleibt ein Abbild seiner Zeit und das ist Fluch und Segen zugleich. Denn die dämliche KI, das Fehlen bestimmter Standards im Strategie-Genre, zum Beispiel das Setzen von Sammelpunkten, sowie das teils dröge Missionsdesign erfordern schon einen gewissen Willen, sich auf das damalige Spielgefühl einzulassen. Wirklich modern und innovativ fühlt sich das heute nicht mehr an, was aber auch gar nicht die Intention der Entwickler war.

Die zwei Grafiksets im Vergleich: Original ... © Electronic Arts

Also alles doof? Ganz und gar nicht, denn trotz allem haben es einige Komfortfunktionen ins Spiel geschafft, die den Strategie-Alltag etwas erleichtern. So kann man nun alle Einheiten eines Typs mit einem Doppelklick auf einmal anwählen. Zudem wird der Lebensbalken von beschädigten Einheiten automatisch eingeblendet, sodass ihr stets einen Überblick darüber habt, wie es um eure Truppen steht. Zudem könnt ihr nun auch mehrere Einheiten gleichzeitig in Auftrag geben (bei den Originalen musste man noch jede Einheit einzeln bauen) und euch wird vor dem Bau einzelner Gebäude angezeigt, wie viel Energie sie euch kosten – ebenfalls eine wertvolle Spielhilfe.

Petroglyph und Lemon Sky haben zudem die Grafik des Spiels für das Remaster aufpoliert und die Auflösung so hochgeschraubt, dass ihr beide Titel in einer 4K-Auflösung spielen könnt. Über die Schönheit der neuen Grafik kann man sicherlich streiten, sie verleiht beiden Spielen jedoch einen deutlich moderneren Touch, ohne dabei den klassischen Look zu verwerfen. Dabei hat man jedoch eine ähnliche Technik wie schon bei den originalen verwendet, indem man Bitmap-Grafiken übereinanderstapelt, sodass sich die Einheiten entsprechend nur in acht Richtungen bewegen können. Wer möchte, kann zudem jederzeit mit einem Druck auf die Leertaste den alten Grafikstil von 1994 herstellen und sich an den herrlich verpixelten Einheiten erfreuen. Was jedoch noch einmal extra hervorgehoben werden sollte, ist der geniale Soundtrack des Spiels. Schon die ursprünglichen Kompositionen konnten mit tollen E-Gitarren-Riffs und rockigen Klängen überzeugen, doch für das Remaster haben sich die Entwickler die Musikstücke noch einmal zur Brust genommen und diese überarbeitet. Die Gruppe „Tiberian Sons“, die teils aus ehemaligen Westwood-Entwicklern besteht, hat sich sogar noch einmal zusammengetan und bestimmte Musikstücke neu eingespielt. Und um dieses musikalische Erlebnis zu genießen, wurde dem Spiel ein Jukebox-Modus hinzugefügt, in dem ihr eure eigene Playlist zusammenstellen und die Musik während der Missionen genießen könnt.

... und die verbesserte Grafik. © Electronic Arts

An weiteren Extras kommt noch ein umfangreiches Archiv an Making-of-Videos hinzu, die ihr allesamt durch das Absolvieren der einzelnen Missionen freischalten könnt. Für deutsche Spieler gibt es im Übrigen ein zusätzliches Novum: Sowohl Der Tiberiumkonflikt als auch Alarmstufe Rot gibt es hier in der unzensierten Fassung zu spielen. Denn im Original wurden damals alle Menschen durch Androiden ersetzt. Das führte dazu, dass überfahrene Infanterie ein knarzendes Geräusch von sich gab und Soldaten im Falle ihres Ablebens nicht aufgeschrien haben. Zudem wurden im ersten Teil eine Videoszene, in der einem Charakter in den Kopf geschossen wird, sowie die Hitler-Szene aus dem Intro von Alarmstufe Rot entfernt. Diese sind nun enthalten, wenn auch die Sprachausgabe in diesen Momenten ins Englische wechselt, da eine deutsche Tonspur dieser Szenen entsprechend nie existiert hat.

Fazit: Ist das Remaster von Command & Conquer etwas für mich?

Die Antwort auf diese Frage kann ich mit einem eindeutigen „Ja, wenn ...“ beantworten. Command & Conquer Remastered Collection ist etwas für euch wenn …
  • … ihr die Originale früher bereits gespielt und geliebt habt und den alten Charme von damals mit neuen Komfortfunktionen noch einmal erleben wollt.
  • … ihr euch auf eine trashige Reise in die Anfänge der Echtzeitstrategie begeben wollt.
  • … ihr über eine dumme KI und viele Altlasten der damaligen Zeit hinwegblicken könnt.
  • … ihr damit leben könnt, dass mitunter Standards des Strategie-Genres nicht vorhanden sind.

Denn trotz der aufpolierten Optik, die nett anzusehen ist, aber keine Bäume ausreißt, und all den kleinen Komfortfunktionen, die nachträglich eingefügt wurden, ist die Command & Conquer Remastered Collection immer noch sehr nahe am Original. Das ist für all diejenigen die, wie ich, einen teils nostalgisch-verklärten Blick auf das Spiel haben, sicher noch akzeptabel, kann aber für andere schon wieder abschreckend sein. Mein persönlicher Tipp: Investiert die 19,99 € bei Steam oder Origin, denn trotz ihrer Schwächen bieten euch die beiden Command & Conquer-Titel unzählige Stunden Spielspaß und wer die Titel nun zum ersten Mal genießt, kann sich gleich noch etwas weiterbilden.

 

Quelle: www.ntower.de/

 

   

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