CoD Cold War macht mehr Spaß, als es eigentlich sollte

CoD Cold War macht mehr Spaß, als es eigentlich sollte
 

 

 

Call of Duty: Black Ops Cold War gefällt MeinMMO-Autor Jürgen Horn besser, als es eigentlich sollte. Das kontroverse Setting und das Kriegsthema stehen hier dem spaßigen Gameplay und der überzogenen Inszenierung gegenüber.

Das ist mein Problem mit Call of Duty: Ich habe bis vor kurzem nie viel mit Call of Duty zu tun gehabt. Das liegt vor allem an der Thematik der Spiele, die mir stets zu sehr Krieg und Militär verherrlichten. Das übertriebene militärische Getue und das patriotische Pathos – das Spiel heißt wörtlich „Ruf der Pflicht“ – sind mir nach wie vor unangenehm.

Dabei liebe ich aber rasante und unkomplizierte Shooter, bevorzuge da aber dann klar fiktive und möglichst bunte Welten. Daher sind auch Spiele wie Fortnite oder Apex Legends eher mein Bier als PUBG oder die Warzone.

Allerdings muss ich für meinen Job als Game-Redakteur auch Spiele spielen und kennenlernen, die ich mir privat nicht geholt hätte und dazu gehört dieses Mal auch das neue Call of Duty: Black Ops Cold War.

Der Kalte Krieg ist ein unheimliches Setting

Der namensgebende Kalte Krieg war erneut ein Grund, warum ich das Spiel eigentlich nicht gespielt hätte. Denn diese Ära ist mir selbst noch gut in Erinnerung. CoD Cold War spielt quasi kurz vor meiner Geburt und bis zum Fall der Mauer war das Thema mehr oder weniger dauerpräsent in meiner Kindheit.

Ich verstand zwar nicht direkt, was genau los war, aber dass „die Russen“ jeden Moment kommen könnten und, dass irgendwelche Politiker einen „Atomknopf“ haben und mit einem Knopfdruck die Welt hochjagen könnten, machte mir als Kind schon manchmal Sorgen.

Der „Atomknopf“ war in den 80ern ein echter Schrecken.

Gerade der Trailer zu Cold War, in dem ausgerechnet der „Atomknopf“ vorkommen, lässt mich da erschaudern und ich bin echt froh, dass der Kalte Krieg am Ende nicht doch noch heiß wurde.

Daher fand ich die Wahl des Settings alles andere als geschmackvoll. Kriegsschauplätze aus der jüngsten Vergangenheit als Settings für Spiele fühlen sich für mich einfach nicht richtig an. So ähnlich ging es mir schon damals mit Battlefield 5, das mich verstörend an die Kriegsgeschichten meines Großvaters erinnerte. Doch bei Cold War lief am Ende einiges anders.

Die Kampagne: Viel zu albern, um wirklich kontrovers zu sein

Da mich das Setting trotz meiner Abneigung dennoch auf morbide Weise interessierte, startete ich doch noch die Kampagne. Die erfüllte erstmal meine Befürchtungen: Im Auftrag von Republikaner-Hardliner Ronald Reagan führe ich zusammen mit einem Killerkommando des CIA einen Vergeltungsschlag gegen iranische Terroristen durch. Hintergrund ist hier die Geiselnahme von US-Diplomaten in Teheran, die 1981 endete.

Dieses kontroverse Thema wird im Spiel aber derart albern aufgezogen, dass man es eigentlich nicht mehr ernst nehmen kann. Denn der Anschlag auf die Party-Bude des ersten Terroristen in Amsterdam wird schnell zu einer Schießbude. Eine schier unendliche Anzahl an strunzblöden Iranern kommt aus allen Ecken des Hauses gekrochen und rennt geradewegs in mein Feuer.

Später geht es dann dem Oberterroristen auf einem türkischen Flugplatz an den Kragen, was in bester 80er-Jahre-Actionfilm-Manier mit einer langen Verfolgungsjagd mit Buggys auf dem Rollfeld endet. Auch hier scheinen ganze Heerscharen von Terroristen Welle um Welle bereitzustehen, um sich von unserem CIA-Team abknallen zu lassen.

Cold War ist im Kern ein alberner Action-Kracher.

Auch die restlichen Missionen gehen meist nach demselben Muster vor sich. Es beginnt mit einer ruhigen Schleichpassage und endet wie in einem alten James-Bond-Film mit haarsträubenden Action-Sequenzen.

Damit kann ich tatsächlich umgehen. Durch die völlig überzogene Inszenierung wird das eigentlich düstere Setting unglaubwürdig und mehr zu einem fiktiven Action-Spektakel als zu einer ernsten Kriegssimulation. Man kann es einfach nicht ernst nehmen und stattdessen nach Herzenslust um sich schießen.

Denn das macht in der Tat sehr viel Spaß. Einfach die Wumme schnappen und losballern. Lässt man sich auf diese abgedrehte Schießbuden-Logik des Spiels ein und sieht es als überdrehten Actionfilm, macht es auch Spaß, der Story zu folgen und den Oberschurken Perseus zu jagen.

Nach einigen Missionen in der Kampagne freue ich mich schon auf den Feierabend, um weiter mit meinem CIA-Team die Welt vor dem Untergang durch gestohlene Atombomben zu beschützen.

Und ich freue mich auf den Multiplayer, denn nachdem ich den Dreh raus habe und mir ein paar gute Wummen freigespielt habe, macht auch der Mehrspielermodus eine Menge Spaß. Das könnt ihr in meinem Anspielbericht zu CoD Cold War nachlesen, in dem ich beschreibe, wie ich erst als Noob Mütterchen Russland zum Weinen gebracht habe.

Quelle: MEINMMO